Hypoport stärkt Plattformstrategie durch Qualitypool-Aufteilung
Von Dr. Oliver Everling | 4.November 2025
Die Neuordnung bei Qualitypool markiert einen weiteren Schritt in der strategischen Fokussierung des Hypoport-Konzerns. Durch die Trennung in eine Finanzierungseinheit und eine spezialisierte Versicherungsmaklergesellschaft folgt das Unternehmen der bereits durch Hypoport eingeleiteten Segmentlogik. Für die börsennotierte Hypoport bedeutet dies eine klarere Aufstellung entlang ihrer zwei wesentlichen Plattformbereiche: Immobilien- und Baufinanzierungsservices einerseits sowie Versicherungstechnologie und -vertrieb andererseits.
Die Bündelung der Versicherungsaktivitäten in einer eigenen Gesellschaft mit der Expertise von AMEXPool weist darauf hin, dass Hypoport die InsurTech-Sparte künftig stärker skalieren möchte. Während das Finanzierungsgeschäft bereits seit Jahren Kernwachstumstreiber ist, hat sich der Versicherungsbereich zuletzt dynamischer entwickelt. Eine klarere Struktur dürfte helfen, regulatorischen Anforderungen effizienter zu begegnen und Innovationszyklen zu beschleunigen, was im stark technologiegetriebenen Plattformgeschäft entscheidend ist.
Für den Kapitalmarkt kann diese organisatorische Entflechtung ein positives Signal darstellen. Investoren honorieren häufig transparente Konzernstrukturen, die eine gezielte strategische Steuerung ermöglichen und interne Reibungsverluste reduzieren. Zudem schafft die eigenständige Positionierung der Versicherungssparte potenziell bessere Voraussetzungen für Partnerschaften und Skaleneffekte, ohne dass operative Umstellungen bei Vertriebspartnern kurzfristige Risiken verursachen.
Gleichzeitig bleibt das Netzwerk innerhalb der Hypoport-Gruppe eng verknüpft, sodass Synergien – insbesondere im technologischen Bereich – nicht verloren gehen. Die Beibehaltung vorhandener Ansprechpartner und Prozesse reduziert die Gefahr operativer Störungen und signalisiert Stabilität. Langfristig könnte die Maßnahme den Weg ebnen, beide Bereiche unabhängiger voneinander zu entwickeln und deren jeweilige Marktposition zu stärken. Insgesamt lässt die Aufteilung darauf schließen, dass Hypoport seine Plattformstrategie weiter schärft, um sowohl im Finanzierungs- als auch im Versicherungsökosystem effizienter zu wachsen und Wettbewerbsvorteile auszubauen.
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US-Marktmacht, enge Credit-Spreads und KI-Revolution: Anleger vor einer neuen Ära
Von Dr. Oliver Everling | 3.November 2025
Die Dominanz der USA an den Kapitalmärkten ist seit der Finanzkrise unübersehbar. Aktienindizes klettern von Rekord zu Rekord, alternative Anlageklassen wie Private Equity und Private Debt boomen, und die Credit-Märkte weiten sich aus. Trotz dieser Stärke wächst jedoch die Unsicherheit unter Investoren, ob die historisch engen Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen noch gerechtfertigt sind. Werner Krämer von Lazard Asset Management widerspricht Spekulationsängsten entschieden. Er betont: „Die Unternehmensgewinne haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Aus unserer Sicht steht die überragende Entwicklung der Unternehmensanleihen (wie auch der Aktienmärkte) auf einer soliden fundamentalen Basis und stellt keine Blase dar.“
Laut Krämer profitieren viele Unternehmen trotz geopolitischer Risiken von einer stetig steigenden Eigenkapitalrendite, niedrigen Ausfallquoten und verbesserten Ratings. Die Entwicklung zeigt sich in Vergleichen von Credit-Indizes wie iBoxx oder Bloomberg, die eine deutlich bessere Kreditqualität heute im Vergleich zur Vergangenheit offenbaren. Gleichzeitig mahnt Krämer zur Vorsicht, da die engen Spreads wenig Raum für Fehlentscheidungen ließen. „Eine individuelle Abwägung, ob ein Renditeaufschlag einer einzelnen Anleihe ein Investment rechtfertigt, ist zwingend notwendig. Dies gilt insbesondere im Hochzinsbereich, denn High Yield-Anleihen weisen auch heute eine viel höhere Ausfallwahrscheinlichkeit auf als Investment Grade-Anleihen.“ Anleger müssten daher sorgfältiger differenzieren und die fundamentale Analyse ins Zentrum stellen: „Bei den vorliegenden engen Spreads, die bei möglichen Rückschlägen wenig Puffer bieten, muss die fundamentale Kreditanalyse bei Investments in einzelne Unternehmensanleihen – insbesondere im High Yield-Bereich – der entscheidende Faktor sein.“
Die Frage, ob Unternehmensanleihen angesichts der gestiegenen Qualität eine neue Rolle als Ersatz für Staatsanleihen einnehmen, ist für Krämer legitim. Er verweist darauf, dass sich die Bonität vieler Staaten seit Jahren verschlechtere: „Die Ratings der Staaten, gemessen am Bloomberg Global Aggregate Bond Index, verschlechtern sich seit Jahrzehnten stetig, im Gegensatz zur Credit-Qualität der Unternehmensanleihen.“ Dennoch bleibe der Markt für Staatsanleihen zentral: „Staatsanleihen werden auch in Zukunft der zentrale Anker aller Kapitalmarktentscheider bleiben.“
Parallel dazu entsteht in der Technologiebranche ein weiterer Megatrend, der die Kapitalmärkte langfristig prägen dürfte: künstliche Intelligenz. Kay-Peter Tönnes von Antecedo Asset Management sieht keinen Anflug einer Überhitzung, sondern vielmehr den Auftakt einer tiefgreifenden Transformation. „Wir sind weit entfernt von einer KI-Blase“, sagt er. „Was wir derzeit erleben, ist der Beginn einer technologischen Revolution mit beispiellosem Wachstumstempo.“ Er vergleicht die Entwicklung mit dem Aufstieg Chinas, als dessen Wirtschaft von 180 Milliarden Dollar auf 1,3 Billionen Dollar wuchs – allerdings benötigte das Land dafür zwei Jahrzehnte. „Bei KI passiert das in nur sechs Jahren. Das ist ein Wachstumstempo, das dreimal so hoch ist. Dafür gibt es kein historisches Beispiel.“
Auch der Blick auf Bewertungen stützt aus seiner Sicht die These eines strukturellen Wandels. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Nasdaq 100 sei zwar von 24 auf 34 gestiegen, doch Tönnes hält dies für gerechtfertigt: „Bei einer Entwicklung, die mit einer 30-Prozent-Amplitude pro Jahr abläuft, ist das aus meiner Sicht locker gerechtfertigt.“ Die heutige Situation sei nicht mit der Dotcom-Ära vergleichbar, in der Bewertungen vielfach dreistellig waren. „Sollte es die viel zitierte Super-KI in einigen Jahren tatsächlich geben, wären die heutigen Bewertungen sogar Schnäppchen.“
Hinzu kommt ein geopolitischer Faktor. Der technologische Wettstreit zwischen den USA und China wird laut Tönnes auch wirtschaftlich und währungspolitisch entscheidend sein. „Der Tech-Krieg zwischen den USA und China wird darüber entscheiden, wer künftig die Führungsrolle in der Weltwirtschaft hat und damit die Weltleitwährung stellt.“ Beide Nationen seien gezwungen, die technologische Vorherrschaft anzustreben: „Deshalb ist der technologische Wettlauf nicht nur ökonomisch, sondern strategisch existenziell.“
Für Anleger bedeutet dies, dass KI nicht als kurzfristige Modeerscheinung betrachtet werden sollte. Tönnes fasst zusammen: „KI wird ganze Branchen verändern, Forschung beschleunigen und neue Industrien hervorbringen. Wir stehen nicht am Ende eines Booms, sondern am Beginn einer neuen Ära.“
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Grenzen von KI-Sprachmodellen bei Unternehmensinformationen
Von Dr. Oliver Everling | 3.November 2025
Große Sprachmodelle wie ChatGPT beeindrucken durch ihre Fähigkeit, in Sekunden komplexe Texte zu verstehen, zu strukturieren und zu formulieren. Sie können Zusammenhänge erklären, Konzepte analysieren und in nahezu jedem Themenfeld sprachlich überzeugend agieren. Doch wenn es um konkrete, überprüfbare Informationen über Unternehmen geht, stoßen diese Systeme schnell an ihre Grenzen.
LLMs werden auf riesigen Textmengen trainiert, die aus öffentlich verfügbaren Quellen stammen – Webseiten, Bücher, Artikel, Datenbanken mit offener Lizenz. Unternehmensdaten aus amtlichen Quellen, Handelsregistern oder professionellen Datenbanken gehören in der Regel nicht dazu. Wenn eine Gesellschaft wie die DEMET Deutsche Edelmetall Recycling AG & Co. KG schon vor Jahren liquidiert oder gelöscht wurde, taucht sie in den Trainingsdaten schlicht nicht auf – insbesondere dann, wenn sie nie in breiter Öffentlichkeit oder Medienberichterstattung erwähnt wurde. Ein Sprachmodell weiß also nur das, was in den verfügbaren Trainingsquellen enthalten war – und das ist bei kleineren oder längst aufgelösten Unternehmen meist so gut wie nichts.
Zwar kann ChatGPT inzwischen, je nach Version, auf das Internet zugreifen, doch dieser Zugriff ersetzt keine spezialisierte Wirtschaftsdatenbank. Die KI kann zwar eine Google-ähnliche Suche durchführen, ist aber auf öffentlich sichtbare Webinhalte beschränkt. Informationen, die nur in regulierten Datenbanken wie dem Handelsregister, Unternehmensregister, North Data oder in proprietären Wissensgraphen wie denen der Palturai GmbH vorliegen, bleiben verborgen. Während ChatGPT zu „DEMET Deutsche Edelmetall Recycling AG & Co. KG“ keine relevanten Treffer findet, zeigt der Datendienst Palturai Gründung und auch immerhin an, dass diese Gesellschaft bereits 2004 aufgelöst wurde. Der Unterschied liegt in der Art der Datenbasis: Palturai aggregiert strukturierte Register- und Netzwerkdaten aus offiziellen Quellen, während ChatGPT primär unstrukturierte Webtexte verarbeitet.
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass LLMs in Ermangelung echter Informationen plausibel klingende, aber falsche Antworten generieren können – sogenannte Halluzinationen. Wenn eine Firma nicht bekannt ist, kann das Modell fälschlicherweise ähnliche Namen, Branchen oder Adressen miteinander vermischen. Gerade bei häufig verwendeten Begriffen wie „Edelmetall“ oder „Recycling“ ist das ein realistisches Risiko. Ohne klare Quellenangabe sollte man KI-generierte Unternehmensinformationen daher nie ungeprüft übernehmen.
Dienste wie Palturai, North Data, Creditreform, Bisnode/Dun & Bradstreet oder das Bundesanzeiger- und Handelsregisterportal bieten strukturierte, regelmäßig aktualisierte Informationen über Gesellschaften, ihre Beteiligungen und Statusänderungen. Sie sind – im Gegensatz zu allgemeinen KI-Systemen – explizit auf rechtliche und wirtschaftliche Datenhaltung ausgelegt und unterliegen klaren Compliance-Regeln.
ChatGPT und vergleichbare Systeme sind hervorragende Werkzeuge, um Texte zu verstehen, Muster zu erkennen oder Inhalte zu kontextualisieren, nicht aber, um verlässliche, rechtsverbindliche Unternehmensinformationen zu liefern. Wer wissen will, ob eine Gesellschaft noch existiert, wer hinter ihr steht oder wann sie aufgelöst wurde, sollte auf Fachportale oder amtliche Register zurückgreifen – oder auf spezialisierte Datenanbieter wie Palturai, die solche Informationen aufbereiten und vernetzen.
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Vom Traum zum Portfolio: Risikoprofiling
Von Dr. Oliver Everling | 31.Oktober 2025
Fast jeder zweite Deutsche stellt sich mindestens einmal pro Woche sein Traumleben vor. Diese Erkenntnis stammt aus einer repräsentativen Befragung der Soziallotterie freiheit+, die im Juli 2025 unter 1.000 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren durchgeführt wurde. Die Umfrage zeigt, dass finanzielle Freiheit und persönliche Zukunftswünsche eng miteinander verknüpft sind. „19,2 Prozent täglich und 28 Prozent wöchentlich – insgesamt also 47,2 Prozent“ beschäftigen sich aktiv mit ihrem persönlichen Idealbild eines besseren Lebens. Besonders junge Menschen treiben diese Vorstellungen an: „60,6 Prozent der 18- bis 35-Jährigen denken mindestens wöchentlich an ihr Traumleben.“
Träume kosten jedoch nicht nur Vorstellungskraft, sondern vor allem Geld. „Als größtes Hindernis nennen 76,7 Prozent fehlende finanzielle Mittel.“ Zeitmangel und familiäre Verpflichtungen folgen, wobei jüngere Befragte häufiger fehlende Zeit und berufliche Belastungen angeben. Auch Selbstbewusstsein spielt eine Rolle – „25,6 Prozent“ der jungen Erwachsenen geben mangelnden Mut an.
Würde Geld keine Rolle spielen, träumt „jeder Vierte“ von einer Weltreise, „weitere 20,5 Prozent“ würden sich ein Eigenheim leisten. Interessant ist der Wunsch nach Unabhängigkeit: „Männer träumen eher von einem freien, ortsunabhängigen Leben (21,4 Prozent) als Frauen (16,2 Prozent)“, und ältere Befragte äußern diesen Wunsch noch stärker.
Kai Töpel, Business Owner von freiheit+, bringt die Ergebnisse auf den Punkt: „Geld allein macht nicht glücklich – aber es macht frei. Es gibt Sicherheit, eröffnet neue Möglichkeiten und schenkt Zeit für das, was wirklich zählt.“ Seine Aussage unterstreicht die Bedeutung finanzieller Gestaltungsspielräume, die in der Lebensplanung vieler Menschen eine entscheidende Rolle spielen.
Genau hier entsteht die Parallele zum Risikoprofiling im Finanzbereich. Anleger stehen häufig vor der Frage, wie sie ihre Träume realisieren können und welches Maß an Risiko sie bereit sind einzugehen, um langfristig Vermögen aufzubauen. Wer davon träumt, die Welt zu bereisen oder ein Eigenheim zu kaufen, braucht eine klare finanzielle Strategie und ein realistisches Verständnis des eigenen Risikoprofils. Wunschvorstellungen allein reichen nicht: Nur wenn Träume, zeitliche Perspektive, Risikotoleranz und finanzielle Möglichkeiten zusammenpassen, kann aus Vision Kapitalplanung werden.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, wie stark Emotionen und Zukunftsbilder das Finanzverhalten beeinflussen. Anleger, die häufig über ihre Zukunft nachdenken, treffen nicht automatisch rationalere Entscheidungen – im Gegenteil, sie können emotionaler reagieren. Professionelles Risikoprofiling hilft, diese Emotionen zu strukturieren und in konkrete Anlageziele zu übersetzen. Was heute als Traum beginnt, kann morgen ein Investmentplan sein – solange der Abgleich zwischen Wunsch und Risiko nicht dem Zufall überlassen bleibt.
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Egan-Jones Ratings Company sieht begrenzte Risiken im Data-Center-Boom
Von Dr. Oliver Everling | 29.Oktober 2025
Der globale Ausbau von Rechenzentren verschlingt gewaltige Summen, und viele fragen sich, ob dieses Kapital sinnvoll eingesetzt ist und ob Investoren mit einer angemessenen Rendite rechnen können. Nach Einschätzung der RatingagenturEgan-Jones Ratings Company sei diese Frage „ungenau oder unvollständig gestellt, da einige der stärksten Unternehmen weltweit die Hauptschuldner sind und damit die meisten, wenn nicht alle, der inhärenten Risiken abmildern“. Der Boom der Künstlichen Intelligenz ist zum entscheidenden Treiber geworden: „Wenn Artificial Intelligence (AI) auch nur einen Bruchteil ihres Versprechens einlöst, wird sie die Welt für immer verändern.“ Die Geschwindigkeit der Entwicklung zwingt Unternehmen dazu, ihre Infrastruktur rasch auszubauen, um nicht von effizienteren Wettbewerbern überholt zu werden.
Gleichzeitig bleiben Parallelen zu früheren Technologiewellen nicht aus. Egan-Jones erinnert an den „Dot Com Bust“ im Jahr 2000, als überzogene Erwartungen zu massiven Kursverlusten führten. Dennoch sei der Bedarf an Rechenzentren robust, auch wenn neue Modelle wie das chinesische „Deep Seek“ oder Elon Musks „Grok“ die Branche überraschten. Die Herausforderungen liegen weniger im technologischen Fortschritt als in den Rahmenbedingungen: „Ein weiteres Problem für Branchenakteure besteht darin, geeignete Standorte für Rechenzentren zu finden und die Stromversorgung sicherzustellen.“ Der wachsende Energiebedarf bringe Versorgungsnetze an ihre Grenzen, weshalb „stabile und leicht skalierbare Energiequellen, insbesondere nukleare, benötigt werden“. Während China hier Kostenvorteile hat, bleiben für US-Standorte Regionen mit reichlich Erdgas – etwa Texas oder Pennsylvania – attraktiv.
Auch der Engpass bei Chips, noch vor einem Jahr ein dominierendes Thema, habe sich laut Egan-Jones entschärft: „Dieses Problem wurde gemildert, da Nvidia die Produktion hochgefahren und tragfähige Alternativen entstanden sind.“ Entscheidend bleibt aus Kreditsicht jedoch, dass die großen Schuldner – die Tech-Giganten – über außergewöhnliche Bonität verfügen. „Aus Sicht der Gläubiger wird die Diskussion über die Aussichten der Rechenzentren von der Tatsache überlagert, dass die typischen Schuldner in der Lage sind, ihren Verpflichtungen unabhängig von den Projektaussichten nachzukommen.“
Der Markt für Rechenzentren sei daher in einer paradoxen Lage: enorme Nachfrage trifft auf begrenztes Angebot, was bestehende oder geplante Projekte begünstigt. „Vielleicht ist dies ein Bereich, in dem das Risiko begrenzt ist – aufgrund der Stärke der Schuldner und der starken Nachfrage nach dem Vermögenswert im Verhältnis zum Angebot“, so das Fazit der Egan-Jones Ratings Company. Damit zeigt sich, dass Technologie, Energiepolitik und Kapitalmärkte zunehmend ineinandergreifen – und dass die wahren Risiken weniger in den Datenleitungen als in den Stromleitungen liegen dürften.
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Neues EU-Konsortium unter Leitung der RWTH Aachen treibt nachhaltiges Batterierecycling voran
Von Dr. Oliver Everling | 29.Oktober 2025
Ein neues, europaweites Batterierecycling-Konsortium unter der Leitung des PEM der RWTH Aachen setzt Maßstäbe für die nachhaltige Nutzung kritischer Rohstoffe. Das Projekt, das durch das Land Nordrhein-Westfalen mit 2,068 Millionen Euro gefördert wird, vereint Industrie, Forschung und Technologieentwicklung mit dem Ziel, eine vollständig geschlossene Batterierecycling-Industrie in Deutschland aufzubauen. Dabei sollen recycelte Materialien in Zukunft eine gleichwertige Alternative zu primär gewonnenen Metallen darstellen.
Die Initiative basiert auf einer engen Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die ihre jeweiligen Kompetenzen bündeln. In den vergangenen zwölf Monaten wurden technische und kommerzielle Rahmenbedingungen erarbeitet, um das Projekt auf eine stabile Grundlage zu stellen. Mit der nun erfolgten Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung wurde nicht nur die finanzielle Absicherung, sondern auch die Governance-Struktur des Konsortiums festgelegt. Der Projektträger Jülich (PTJ) verwaltet die Fördermittel im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.
Innerhalb des Konsortiums übernimmt jedes Mitglied eine spezifische Rolle. Accurec Recycling GmbH ist für die Demontage und Aufbereitung der Altbatterien zuständig und produziert daraus Schwarzmasse, die anschließend an Iondrive geliefert wird. Das australische Unternehmen Iondrive bringt seine Deep-Eutectic-Solvent-Technologie (DES) ein, mit der Metalle wie Nickel, Kobalt, Lithium und Mangan umweltfreundlich extrahiert werden können. Die resultierenden hochreinen Metalle werden anschließend zu sogenannten pCAM-Materialien weiterverarbeitet, die als Vorstufe für Kathodenmaterialien dienen.
Ein weiterer Partner, NEUMAN & ESSER Process Technology GmbH, wird das Konsortium mit modernster Anlagentechnik und Verfahrenstechnik unterstützen, um die Recyclingprozesse zu skalieren. Constantia Patz GmbH, Teil der internationalen Constantia Flexibles Gruppe, steuert Wissen über Materialdesign und Kreislaufintegration bei, um sicherzustellen, dass recycelte Metalle und Nebenprodukte effizient in neue Produktionsketten einfließen. Die RWTH Aachen schließlich wird die von Iondrive gewonnenen pCAM-Materialien weiter zu CAM-Material verarbeiten, das in der Batteriezellenproduktion getestet wird.
Bemerkenswert ist, dass alle im Rahmen der Konsortiumsaktivitäten erzielten technologischen Fortschritte an der DES-Technologie im Eigentum von Iondrive verbleiben. Dies ermöglicht dem Unternehmen, seine patentierte Methode unabhängig weiterzuentwickeln und weltweit zu kommerzialisieren. „Die Kooperation bietet eine ideale Plattform, um die Leistungsfähigkeit unserer Technologie im industriellen Maßstab zu validieren und gleichzeitig die Grundlage für eine europäische Lieferkette recycelter Batteriematerialien zu schaffen“, so Dr. Ebbe Dommisse, CEO von Iondrive.
Die Aktivitäten des Konsortiums sind zunächst auf einen Zeitraum von drei Jahren angelegt, beginnend im Oktober 2025. Neben der direkten Förderung profitiert Iondrive von kostenfreiem Zugang zu Einsatzmaterial, Validierungsdienstleistungen und einer engeren Zusammenarbeit mit potenziellen Industriepartnern. Nach Abschluss der ersten Betriebsphasen in Australien ist vorgesehen, die Pilotanlage von Iondrive nach Deutschland zu verlagern, um die Prozesse innerhalb des europäischen Marktes weiter zu optimieren.
Das Konsortium markiert einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer kreislauforientierten, ressourcenschonenden Batterieproduktion in Europa. Durch die Kombination aus innovativer Verfahrenstechnik, industrieller Skalierung und politischer Unterstützung soll gezeigt werden, dass ein nachhaltiger, wirtschaftlich tragfähiger Batteriekreislauf nicht nur möglich, sondern zukunftsweisend für die gesamte europäische Industrie ist.
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Die Erde im Energieüberschuss – Klimawandel garantiert
Von Dr. Oliver Everling | 28.Oktober 2025
Die jüngste Studie des FERI Cognitive Finance Institute warnt eindringlich vor den globalen Risiken sogenannter Klima-Kippelemente. Diese könnten laut Institutsgründer Dr. Heinz-Werner Rapp „unumkehrbar und oft relativ schnell in einen neuen Zustand übergehen“, sobald kritische Temperaturschwellen überschritten werden. Besonders gefährlich sei, dass viele dieser Kippelemente miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig verstärken können. So könne „die Gesamtwirkung solcher Dominoeffekte und selbstverstärkender Kippkaskaden weitaus größere Klimarisiken erzeugen, als in vielen Klimamodellen bislang unterstellt“.
Das Institut weist darauf hin, dass sich die Erde derzeit auf einem Erwärmungspfad von etwa 2,7 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts befinde – also deutlich über den Pariser Klimazielen. Damit verbunden seien gravierende Risiken für Ökosysteme, Ernährungssicherheit und globale Finanzsysteme. Rapp betont: „Die weltweiten Kapitalmärkte haben die Risiken der Climate Tipping Points bislang klar unterschätzt.“ Sollte sich diese Einschätzung ändern, könne es zu einer abrupten Neubewertung von Klimarisiken kommen. Bereits heute müssten Banken und Versicherungen auf zunehmende Schäden reagieren, was das Finanzsystem unter Druck setze.
Trotz der alarmierenden Befunde lässt sich die Diskussion um den Klimawandel auch anders betrachten – nämlich als Ausdruck einer insgesamt positiven Energiebilanz unseres Planeten. Die Erde nimmt mehr Energie von der Sonne auf, als sie in den Weltraum abstrahlt. Diese positive Bilanz ermöglicht Leben und einen dynamischen Energiehaushalt, der Veränderungen überhaupt erst erlaubt. Andere Himmelskörper, etwa der Gasriese Jupiter oder sein Mond Amalthea, verfügen hingegen über eine negative Energiebilanz. Sie geben mehr Energie ab, als sie aufnehmen – mit der Folge, dass sie sich immer weiter abkühlen. Für den ohnehin frostigen Amalthea bedeutet das, dass er noch kälter wird, ein stilles Beispiel für kosmische Energiearmut.
Im Vergleich dazu zeigt die Erde trotz aller Herausforderungen eine bemerkenswerte Vitalität. Ihre „positive Energiebilanz“ ist die Grundlage dafür, dass Klima, Leben und Entwicklung möglich sind. Gerade in Zeiten, in denen Berichte wie die Studie „Climate Tipping Points – Das Umkippen essentieller Klimasysteme als globales Risiko“ vor den Folgen ungebremster Erwärmung warnen, kann diese Perspektive helfen, den Blick nicht nur auf die Risiken, sondern auch auf das Potenzial zu richten: Die Energie, die den Wandel vorantreibt, ist auch jene, die Zukunft ermöglicht.
Die Warnung des FERI Cognitive Finance Institute gewinnt vor diesem Hintergrund eine noch tiefere Bedeutung. Wenn man die physikalische Tatsache betrachtet, dass die Erde eine positive Energiebilanz aufweist – also mehr Energie von der Sonne aufnimmt, als sie in den Weltraum zurückstrahlt –, dann erscheint der Klimawandel nicht nur als Folge menschlichen Handelns, sondern als Teil einer langfristigen planetaren Entwicklung. Eine solche Energiebilanz impliziert, dass sich die Erde auch unabhängig vom Menschen weiter erhitzen wird, wenn dieses Ungleichgewicht bestehen bleibt. Die Folge ist eine allmähliche, aber unaufhaltsame Zunahme der Wärme, die sich in den Ozeanen, der Atmosphäre und den Böden speichert.
Diese Entwicklung führt in letzter Konsequenz zu einer Frage, die weit über politische oder wirtschaftliche Diskussionen hinausgeht: Wann wird die Temperatur unseres Planeten ein Niveau erreichen, das für das Leben in seiner heutigen Form unerträglich ist? Die Erde besitzt die physikalische Tendenz, immer mehr Energie zu speichern, und diese Dynamik kann nur verlangsamt, aber nicht völlig gestoppt werden. Der Mensch steht somit vor der Herausforderung, durch technologische Innovationen, politische Steuerung und nachhaltiges Handeln die Geschwindigkeit dieses Prozesses zu beeinflussen – wohl wissend, dass die grundlegende Richtung der Entwicklung festgelegt ist.
Gerade in diesem Kontext gewinnt die neue FERI-Studie „Climate Tipping Points – Das Umkippen essentieller Klimasysteme als globales Risiko“ besondere Relevanz. Sie kommt zu einem Zeitpunkt, in dem sich viele amerikanische Investoren von den Herausforderungen des Klimawandels bereits abgewandt haben und die Fakten zu ignorieren scheinen. Während einige Finanzmärkte versuchen, kurzfristige Gewinne über langfristige Stabilität zu stellen, warnt das Institut eindringlich vor den systemischen Folgen, die sich aus den sogenannten „Kippkaskaden“ ergeben.
Allein schon der große Umfang und die wissenschaftliche Tiefe der Studie sollten Anlass sein, sich mit den realen Risiken der globalen Erwärmung intensiver auseinanderzusetzen. Denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob der Klimawandel stattfindet, sondern wie schnell er voranschreitet – und wie gut sich Gesellschaft und Wirtschaft darauf einstellen können. Für Investoren bedeutet das, dass sie sich mit dem Gedanken auseinandersetzen müssen, dass die Grundrichtung längst feststeht. Das Verständnis physikalischer Realitäten, kombiniert mit ökonomischer Weitsicht, könnte sich dabei als entscheidender Vorteil erweisen.
So mag die Erde zwar eine positive Energiebilanz besitzen – ein Zeichen ihrer Lebendigkeit und Dynamik –, doch diese Bilanz ist zugleich eine Mahnung. Sie erinnert daran, dass Energie immer Wirkung entfaltet, dass jeder Überschuss Konsequenzen hat und dass die Zukunft des Planeten davon abhängt, wie bewusst die Menschheit mit diesem energetischen Erbe umgeht.
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Soft Skills systematisch bewerten – ein Meilenstein in Arbeit
Von Dr. Oliver Everling | 27.Oktober 2025
Mit dem Sammelband „Soft Skill Rating – Training und Management sozialer Kompetenz“ entsteht derzeit ein Werk, das den Anspruch erhebt, die Diskussion um soziale Kompetenzen grundlegend zu verändern. Die Herausgeber Dr. Oliver Everling und Dominik Wever koordinieren die enge Zusammenarbeit von mehr als 30 Expertinnen und Experten, die ihre vielfältigen Perspektiven in ein gemeinsames Manuskript einbringen. Dieses soll bis Ende 2025 fertiggestellt sein und den Anspruch einlösen, Soft Skills nicht länger nur beschreibbar, sondern auch nachvollziehbar messbar und strategisch nutzbar zu machen.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Verzahnung von klassischen Bewertungsmethoden mit neuesten technologischen Ansätzen. Während Selbst- und Fremdeinschätzungen, strukturierte Interviews oder 360-Grad-Feedback weiterhin wichtige Instrumente bleiben, öffnen KI-gestützte Verfahren, Videoanalysen und immersive VR-Simulationen neue Horizonte für die objektive Bewertung. Damit verbindet der Sammelband Tradition mit Innovation und zeigt auf, wie Soft Skills in einer digitalisierten Arbeitswelt zum steuerbaren Erfolgsfaktor werden können.
Darüber hinaus nehmen die Beiträge Branchenperspektiven und Anwendungskontexte in den Blick: Ob im Krankenhaus, wo Kommunikation und Teamfähigkeit über die Qualität der Patientenversorgung entscheiden, oder im Finanzsektor, wo Empathie und Haltung zunehmend als Schlüsselwährungen gelten – Soft Skills erweisen sich als unverzichtbar. Fallstudien aus Start-ups, internationalen Transaktionen oder Change-Prozessen belegen, dass der langfristige Erfolg weniger von Fachwissen als vielmehr von sozialen Kompetenzen abhängt.
Die gemeinsame Arbeit der Autorinnen und Autoren verdeutlicht auch die Breite des Themas: Resilienz in Hochbelastungssituationen, Energiemanagement als unterschätzter Soft Skill oder intergenerationale Zusammenarbeit sind nur einige der Facetten, die in den Kapiteln beleuchtet werden. So entsteht ein Panorama, das Soft Skills nicht als Nebenaspekt, sondern als zentrales Element von Unternehmensführung, Kulturentwicklung und Innovation begreift.
Wenn das Manuskript Ende 2025 abgeschlossen ist, wird ein Standardwerk vorliegen, das Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen adressiert – mit klarer Botschaft: Soft Skills sind keine „weichen“ Faktoren, sondern harte Erfolgsbedingungen.
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Virtuelle Realität, 3D-Darstellung und Unternehmensrating im Kontext der Medizinrobotik
Von Dr. Oliver Everling | 27.Oktober 2025
Virtuelle Realität, dreidimensionale Darstellungen und Stereoskopie sind eng miteinander verknüpft, da sie alle darauf abzielen, räumliche Tiefe und realitätsnahe Wahrnehmung zu erzeugen. Während die Stereoskopie die Grundlage bildet, indem sie über zwei leicht versetzte Bilder ein räumliches Sehen ermöglicht, nutzt die 3D-Darstellung diese Technik, um digitale Objekte plastisch erscheinen zu lassen. Virtuelle Realität geht einen Schritt weiter: Sie integriert diese räumliche Wahrnehmung in eine vollständig immersive Umgebung, die den Nutzer nicht nur sehen, sondern auch agieren lässt. In der Medizin, insbesondere in der Robotik, wird diese Verbindung zunehmend genutzt, um Operationen präziser, sicherer und sogar ortsunabhängig durchzuführen.
Wie Andreas Scharf von der Apo Asset Management GmbH in seinem Beitrag „Medizinrobotik: Die Operation Zukunft“ erläutert, eröffnet die Kombination aus Robotik, KI und digitalen Darstellungsverfahren neue Horizonte: „Mit dessen OP-Robotik-System da Vinci werden bereits jetzt viele Medizinstudierende ausgebildet. Damit entsteht ein eigenes Anwender-Ökosystem.“ Diese Ausbildung erfolgt zunehmend mit Hilfe von 3D-Simulationen und virtuellen Umgebungen, in denen angehende Chirurgen Eingriffe trainieren können, bevor sie sie am Patienten durchführen. Die präzise Tiefenwahrnehmung durch stereoskopische Darstellungen ist dabei entscheidend, um komplexe anatomische Strukturen realistisch zu erfassen.
Virtuelle Realität wird so zum Bindeglied zwischen digitalem Modell und realer medizinischer Handlung. Die Fernoperation aus 11.000 Kilometern Entfernung, bei der „ein Krebspatient in Angola robotergestützt aus den USA operiert“ wurde, wäre ohne fortgeschrittene visuelle Darstellungen und Echtzeitübertragung von 3D-Daten kaum denkbar. Stereoskopische Bildgebung sorgt hier für die nötige räumliche Orientierung des Chirurgen, der sich in einer virtuellen Repräsentation des Operationsfeldes bewegt.
Dieser technologische Fortschritt hat unmittelbare Auswirkungen auf das Rating von Unternehmen, die in diesem Feld tätig sind. Firmen wie Intuitive Surgical oder Stryker profitieren von der engen Verzahnung von KI, Robotik und 3D-Visualisierung, da sie Innovationen hervorbringen, die den Marktwert und die Zukunftsfähigkeit steigern. Für Analysten und Portfoliomanager wie Scharf sind dabei nicht nur die Umsatzzahlen entscheidend, sondern auch die technologische Führungsrolle: „Die Zulassungschancen und der klinische Nutzen bestimmen das Anlagepotenzial.“ Ein Unternehmen, das durch immersive Technologien wie virtuelle Realität eine höhere Präzision oder Ausbildungseffizienz ermöglicht, wird als wettbewerbsfähiger und damit als besser bewertbar angesehen.
Der Zusammenhang zwischen virtueller Realität, 3D-Darstellung und Stereoskopie zeigt somit, wie visuelle Technologien zur Grundlage medizinischer Innovationen werden und zugleich Einfluss auf die Bewertung von Unternehmen im Gesundheitssektor nehmen. Fortschritt in der Wahrnehmung und Darstellung räumlicher Realität wird zu einem ökonomischen Faktor, der Ratings verändert und Investitionen lenkt – ein Beleg dafür, dass technologische Tiefe zunehmend auch die finanzielle Tiefe eines Unternehmens bestimmt.
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Redwood Materials zeigt: Urban Mining erreicht Milliardenbewertungen und wird zum neuen Wachstumssektor
Von Dr. Oliver Everling | 25.Oktober 2025
Die jüngste Finanzierungsrunde des US-amerikanischen Unternehmens Redwood Materials verdeutlicht eindrucksvoll, welches Bewertungspotenzial in der Branche des Urban Mining und Batterierecyclings steckt. Das in Sparks, Nevada, ansässige Unternehmen sammelte in einer Series-E-Runde 350 Millionen US-Dollar ein, angeführt von Eclipse Ventures und mit Beteiligung von NVentures, der Investmentgesellschaft des Technologiekonzerns Nvidia. Damit wird Redwood aktuell mit über sechs Milliarden US-Dollar bewertet – ein klares Signal, dass Investoren weltweit den Markt für wiedergewonnene Rohstoffe als strategisch und wirtschaftlich hochattraktiv einstufen.
Urban Mining – also die Rückgewinnung wertvoller Metalle und Materialien aus bestehenden Produkten, insbesondere Elektronik- und Batterieschrott – entwickelt sich zunehmend zu einem der zentralen Wachstumsfelder der Energiewende. Redwood Materials hat sich dabei als einer der globalen Technologieführer etabliert. Das Unternehmen betreibt nicht nur Recyclinganlagen für Batterien, sondern erweitert seine Aktivitäten um die Herstellung von Kathodenmaterialien und die Entwicklung von Energiespeicherlösungen. Besonders bemerkenswert ist, dass Redwood die Nutzung wiederaufbereiteter Batterien für den Aufbau von Stromspeichersystemen für Rechenzentren und industrielle Anwendungen vorantreibt – ein Schritt, der die Wertschöpfung über das klassische Recycling hinaus verlängert.
Die Höhe der Bewertung spiegelt das Vertrauen der Investoren in die technologische Führungsposition und die Marktchancen des Unternehmens wider. Mit Blick auf die globale Rohstoffknappheit, geopolitische Unsicherheiten und die steigende Nachfrage nach Batteriematerialien in der Elektromobilität und im Energiesektor sehen Investoren im Urban Mining nicht mehr nur ein Nachhaltigkeitsthema, sondern ein hochprofitables Industriefeld. Die Kombination aus technologischer Innovation, geopolitischer Relevanz und massiven Skalierungspotenzialen hat Urban Mining zu einem Investmentthema mit ähnlichem Attraktivitätsniveau wie grüne Energie- oder Halbleitertechnologien gemacht.
Im Vergleich dazu wirken europäische Initiativen – wie das kürzlich gestartete Batterierecycling-Konsortium unter der Leitung der RWTH Aachen – derzeit noch klein, jedoch strategisch nicht minder wichtig. Das Konsortium, an dem unter anderem Iondrive Limited beteiligt ist, verfügt über ein Finanzierungsvolumen von rund 3,1 Millionen Euro, davon 2,07 Millionen Euro aus Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen. Ziel ist der Aufbau einer europäischen Kreislaufwirtschaft für Batterien, bei der bis zu 80 Prozent der Materialien aus Recyclingprozessen stammen sollen. Während Redwood bereits den Sprung in die Kommerzialisierung und internationale Expansion geschafft hat, befindet sich das europäische Projekt noch in einer frühen Entwicklungs- und Demonstrationsphase.
Dennoch zeigt der Vergleich beider Initiativen eine klare Marktlogik: Gelingt es europäischen Unternehmen, Recyclingtechnologien wie das Deep-Eutectic-Solvent-Verfahren von Iondrive erfolgreich zu skalieren, könnten auch sie mittelfristig Bewertungen in ähnlichen Größenordnungen erreichen. Die Redwood-Transaktion zeigt, dass Investoren bereit sind, Milliardenbeträge in Unternehmen zu investieren, die eine Schlüsselrolle in der Rückgewinnung und Wiederverwertung kritischer Rohstoffe übernehmen.
Damit wird deutlich: Urban Mining ist längst mehr als ein Nischenthema der Kreislaufwirtschaft. Es entwickelt sich zu einem der wertvollsten Segmente im globalen Technologiesektor – mit dem Potenzial, neue „grüne Giganten“ hervorzubringen, deren Marktwert sich an den führenden Tech-Unternehmen der Welt messen kann.
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