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US-Zölle: Mehr Sicherheit für Rating-Analysten trotz wirtschaftlicher Risiken
Von Dr. Oliver Everling | 4.April 2025
Die aktuellen wirtschaftspolitischen Entwicklungen aus den USA bieten Analysten im Ratingbereich eine gesteigerte Sicherheit hinsichtlich der Annahmen und Rahmenbedingungen der Zukunft. Die RATING EVIDENCE GmbH betrachtet insbesondere die jüngsten Ankündigungen der US-Regierung als richtungsweisend für eine klarere Einschätzung der makroökonomischen Effekte auf verschiedene Sektoren und Unternehmensratings.
Die kürzlich erlassenen Zollerhöhungen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen verdeutlichen den regulatorischen Kurs der US-Administration. In diesem Zusammenhang schreibt Paul Diggle, Chief Economist bei Aberdeen, in seinem Marktkommentar: „Es besteht ein erhebliches Risiko, dass die Ankündigungen der vergangenen Tage – so drastisch sie auch waren – nicht das „Höchstmaß“ der Zölle darstellen. Wir gehen weiterhin davon aus, dass zusätzliche sektorbezogene Zölle folgen werden, insbesondere auf Halbleiter, Kupfer, Bauholz und pharmazeutische Produkte.“ Dies schafft eine analytische Grundlage für die Modellierung möglicher künftiger Belastungen einzelner Branchen.
Zudem wird in der Executive Order deutlich gemacht, dass die aktuelle US-Zollpolitik flexibel gestaltet ist. So heißt es weiter: „Tatsächlich wurden diese Produkte in der Executive Order erwähnt, wobei ausdrücklich festgelegt wurde, dass die reziproke Zollpolitik nicht für sie gilt. Dies lässt offen, dass spezifische Zollsätze in Kürze folgen könnten. Gleichzeitig deutet dies darauf hin, dass sektorbezogene und reziproke Zölle nicht kumulativ wirken.“ Die RATING EVIDENCE GmbH bewertet diese Klarstellung als einen entscheidenden Faktor, der Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung sowie deren Auswirkungen auf Ratings erleichtert.
Auch die Möglichkeit einer weiteren Erhöhung der Zölle in Abhängigkeit von Gegenmaßnahmen der Handelspartner sorgt für eine gewisse Vorhersehbarkeit. Hierzu schreibt Diggle: „Zudem räumt die Executive Order dem Präsidenten das Recht ein, Zollsätze im Falle von Gegenmaßnahmen seitens der Handelspartner anzupassen, sodass für einige Länder die Zölle noch weiter steigen könnten.“ Dies ermöglicht Analysten eine fundiertere Einschätzung möglicher Szenarien und deren Folgen.
Besondere Beachtung findet die Einschätzung zur wirtschaftlichen Endwirkung der Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich Inflation und Wachstum. So wird prognostiziert: „Die Nettoauswirkungen auf die US-Wirtschaft werden mit hoher Wahrscheinlichkeit stagflationär sein, auch wenn das Ausmaß des Preisanstiegs und der Wachstumsdämpfung schwer quantifizierbar bleibt.“ Diese Erkenntnisse helfen Analysten, relevante Risikofaktoren systematischer in die Ratingbewertungen einfließen zu lassen.
Zusätzlich zeigt sich, dass die Fed durch die Zollerhöhungen vor schwierige Entscheidungen gestellt wird: „Die Fed steht vor einer schwierigen Abwägung. Die Entscheidungsträger haben in der Vergangenheit betont, dass Zölle nur einen „vorübergehenden“ Einfluss auf die US-Inflation haben. Angesichts des jüngsten starken Anstiegs der Inflationserwartungen könnte es für die Fed jedoch schwierig sein, diesen Effekt einfach zu ignorieren.“ Diese Dynamik schafft einen besser abgrenzbaren Rahmen für mittelfristige Zins- und Konjunkturprognosen, was letztlich zu einer höheren Präzision in den Annahmen für Ratings beiträgt.
Insgesamt sind die jüngsten US-Entwicklungen als bedeutenden Faktor zur Verbesserung der analytischen Sicherheit im Rating zu bewerten. Die klare strategische Ausrichtung der US-Wirtschaftspolitik, gepaart mit der größeren Berechenbarkeit der Auswirkungen, schafft eine stabilere Grundlage für belastbare Zukunftsannahmen. In diesem Umfeld können Ratingmodelle präzisere Risikoeinschätzungen liefern, wodurch Investoren und Unternehmen von erhöhter Planungssicherheit profitieren.
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